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Begriff 'Analverkehr'

Quelle : https://de.wikipedia.org/wiki/Analverkehr

Analverkehr

Unter Analverkehr oder Analkoitus bzw. Coitus analis (von lateinisch anus „After“) – auch Analsex oder antiquiert euph. Poliebe genannt – versteht man das Einführen des erigierten männlichen Penis in den Anus des Sexualpartners.

Analverkehr wird sowohl zwischen hetero- als auch homosexuellen Partnern praktiziert. Sowohl für den aktiven wie für den passiven (empfangenden) Partner kann der Analverkehr lustvoll sein, Männer wie Frauen können durch anale Stimulation zum Orgasmus kommen. Der Analverkehr erfordert unter Umständen vorbereitende Maßnahmen und ein im Vergleich zum Vaginalverkehr behutsameres Vorgehen.

In vielen Kulturkreisen wurde der Analverkehr lange tabuisiert, in den letzten Jahren hat Analverkehr jedoch eine zunehmende Verbreitung gefunden. Laut Studien haben in den USA etwa ein Drittel, in Deutschland zirka die Hälfte aller heterosexuellen Paare mindestens einmal Erfahrungen mit Analverkehr gemacht. In vielen Partnerschaften gehört der Analverkehr als regelmäßig ausgeübte Sexualpraktik zum sexuellen Repertoire; der Anteil der Männer und Frauen, die Analverkehr regelmäßig ausüben liegt zwischen 30 und 40 %. Statistiken zufolge hat die Anzahl der Personen, die Analverkehr praktizieren, im Vergleich zu früheren Jahren zugenommen, ob dieser Zunahme eine reale Erhöhung oder eine durch Enttabuisierung des Analverkehrs bedingte offenere Auskunftsbereitschaft zugrunde liegt, ist allerdings unklar (siehe: Gesellschaftliche Verbreitung).

Durchführung

Prinzip

Der Afterbereich ist bei Personen beider Geschlechter eine sexuell stimulierbare erogene Zone, die mit vielen Nervenenden ausgestattet ist. Beim Mann führt passiver Analverkehr zusätzlich zur Reizung der sexuell empfindlichen Prostata, die einen Orgasmus auslösen kann. Bei der Frau können durch Analverkehr auch der sogenannte A-Punkt und das Scheidengewebe stimuliert werden. Für den aktiven Partner bedeutet der Analverkehr aufgrund der engeren und potenziell muskulöseren Körperöffnung eine intensivere Stimulation gegenüber dem Vaginalverkehr.

Als aktiv wird beim Analverkehr diejenige Person bezeichnet, die ihren Penis einführt (insertiver Analverkehr), als passiv, auch anorezeptiv, diejenige, bei der der Penis eingeführt wird (rezeptiver Analverkehr). Die Praktik setzt für viele Personen ein höheres Maß an Vertrauen voraus, wird andererseits jedoch oft auch als entsprechend intimer empfunden. Aktiver Analverkehr gehört aus genannten Gründen für viele Männer zu den lustvollsten Sexualpraktiken. Passiver Analverkehr wird in vielen Fällen beim ersten Mal als unangenehm, jedoch mit wiederholter Durchführung zunehmend als lustvoll empfunden.

Vorbereitung

Um von beiden Partnern als lustbringend erlebt zu werden, erfordert der Analverkehr für viele Personen ein ausgiebiges Vorspiel sowie gewisse Vorbereitung. Der Gynäkologin Sheila de Liz zufolge kommt der schrittweisen Vorbereitung mit Finger oder Butt-Plug sowie ausreichend Gleitgel eine wesentliche Rolle für lustvollem Analverkehr zu:

Als Vorspiel vor dem Analverkehr kann der Anus mit den Fingern oder der Zunge stimuliert werden. Sollte das Eindringen des Penis vom passiven Partner als schmerzhaft empfunden werden oder mit einem unangenehmen Gefühl einhergehen, so ist zuvor die Benutzung eines Butt Plugs möglich. Dabei handelt es sich um ein kegelförmiges Objekt, das vor dem Analverkehr durch den passiven Partner getragen werden kann. Durch die damit erreichte Vordehnung kann eine Entspannung des Anusmuskels erreicht oder gefördert werden. Seine Form verhindert zudem ein Hineinrutschen sowie selbstständiges Herausrutschen aus dem Anus. Butt-Plugs können für kürzere, aber auch für längere Zeiträume unabhängig vom Geschlechtsverkehr getragen werden. Ein Butt-Plug kann darüber hinaus in das Vorspiel mit einbezogen werden.

Aufgrund der mangelnden Lubrikation des Anus wird die Verwendung von Gleitgel empfohlen. Bei Verwendung eines Kondoms sollte ein Gleitmittel auf Wasser- oder Silikon-Basis benutzt werden, da fetthaltige Gleitmittel das Kondom-Material angreifen und daher ungeeignet sind.

Stimulation und Erregung

Für Männer

Der Penis des Mannes wird beim aktiven Analverkehr vom Muskel des Anus im Vergleich zur Vagina fester umschlossen und somit intensiver stimuliert. Viele Männer finden das Enge-Gefühl durch das Umspannen und die Reibung besonders erregend. Über die intensivere Stimulation des Penis hinaus wird der Analverkehr oftmals auch als besonderer „Kick“ umfunden.

Ebenso wie für Frauen ist für Männer emfangender Analverkehr möglich. Der emfangende Analverkehr bei Männern wir traditionell mit Homosexualität in Verbindung gebracht, findet jedoch in Form des Peggings auch zunehmend unter heterosexuellen Paaren Verbreitung. Die Mechanismen der Stimulation und das einhergehende Lustgefühl sind dabei anatomisch ähnlich bedingt wie bei Frauen, außer dass statt Vagina und G-Punkt eine Stimulation der Prostata erfolgt.

Für Frauen

Die anale Stimulation wird oftmals lustvoll erlebt, der Anus gilt es eine erogene Zone. Zahlreiche Nervenenden finden sich rund um den äußeren Schließmuskel sowie im Anus selbst. Beim Analverkehr können darüber hinaus die rückwärtigen Bereiche der Vagina durch Druck und Bewegung stimuliert werden, insbesondere durch Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur.

Für einige Frauen ist ein Orgasmus durch rein anale Stimulation möglich; viele Frauen können jedoch durch passiven Analverkehr allein nicht zum Orgasmus kommen, das heißt, sie benötigen zusätzliche genitale Stimulation zum Erreichen des Höhepunktes. Die Kombination von Analverkehr mit zusätzlicher, manueller Stimulation der Klitoris wird oftmals als besonders lustvoll beschrieben:

In einer großangelegten Erhebung zum Sexualverhalten (National Survey of Sexual Health and Behavior) zeigte sich, dass dabei mehr Frauen einen Orgasmus erlangen als bei jeder anderen Form sexueller Stimulation. 94 % der Frauen in der Studie kamen durch Analverkehr zum Orgasmus (gegenüber 64 % bei Vaginalverkehr). Auch andere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Frauen durch Analverkehr häufiger zum Orgasmus kommen als durch Vaginalverkehr.

Stellungen

Die Position sollte so gewählt werden, dass auch der passive, also empfangende Partner Kontrolle ausübt. Das heißt, er sollte Tiefe und Rhythmus der Penetration mitbestimmen können oder sogar vorgeben.

Übliche Stellungen sind die Reiterstellung, wo der Empfangende die meiste Kontrolle hat, und die A-tergo-Stellung. Ebenso die Löffelchenstellung, welche den Vorteil bietet, dass die Muskeln hierbei besonders entspannt sind.

Probleme und Risiken

Hygiene und Verhütung

Mitunter existieren Bedenken bezüglich der Hygiene, welche sich meistens auf im Enddarm befindliche Fäkalreste beziehen. Die Angst, während des Verkehrs maßgeblich mit Kot in Kontakt zu kommen, ist jedoch größtenteils unbegründet. Nach der Defäkation verbleibt kaum Stuhl im Enddarm, Anus und Enddarm stellen lediglich Durchgangskanäle dar und sind somit nur unmittelbar vor und während der Defäkation mit Kot in Kontakt. Dennoch kann es sein, dass der Penis durch den Verkehr mit kleinen Mengen Kot in Berührung kommt. Um dies sicher auszuschließen, kann vor dem Verkehr eine Spülung durchgeführt werden, womit die Möglichkeit des Kontakts oder Austritts von Fäkalien während der Penetration ausgeschlossen wird (dies wird häufig auch vorbereitend in pornografischen Produktionen durchgeführt).

Abwechselnd praktizierter Vaginal- und Analverkehr sollte stets mit einem Kondomwechsel kombiniert oder aber der Penis vor dem Wechsel abgewaschen werden, da ansonsten Keime aus dem Enddarm in die Vagina eingebracht werden und Entzündungen auslösen können.

Insbesondere in Kulturen, in denen auf die Jungfräulichkeit der Frau bei der Eheschließung großer Wert gelegt wird, ist der Analverkehr eine gelegentlich praktizierte Alternative zu vorehelichem vaginalen Geschlechtsverkehr, durch die das Risiko einer Schwangerschaft vermindert und der Verlust des Jungfernhäutchens vermieden werden soll. Die Annahme, dass sich durch Analverkehr eine Schwangerschaft sicher vermeiden lasse, ist jedoch falsch. Auch beim Analverkehr kann Sperma in die Scheide gelangen und zu einer Empfängnis führen.

Schmerzen

Es ist normal, dass Analverkehr für den passiven Partner anfangs schmerzhaft ist. Eine Kinsey-Studie kommt zum Ergebnis, dass Viele anfangs einen gewissen Schmerz verspüren:

Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, dass Analverkehr als schmerzhaft erlebt wird. Laut einer medizinischen Studie sind dies insbesondere eine mangelnde Vordehnung, ein zu schnelles Eindringen des Penis, unzureichende Lubrikation (Gleitgel) und eine ungünstige Stellung, aber auch psychische Prozesse wie fehlende Intimität oder beiderseitige Bereitschaft. Auch die Erwartungshaltung, dass „Schmerz als unvermeidbar" angesehen wird sowie die „Hervorhebung der Bedeutung des Ereignisses“ können zum Verkrampfen der Muskulatur und somit zu Schmerzen führen. Es sollte eine Stellung gewählt werden, bei der der passive Partner die Geschwindigkeit sowie Tiefe der Penetration selber kontrollieren kann. Der Penis sollte langsam, mit Phasen des Stillstands zur weiteren Entspannung, eindringen. Bei behutsamem, langsamem Eindringen sowie Nutzung von ausreichend Gleitmittel ist Analverkehr meistens schmerzfrei. Aufgrund von individuellen Unterschieden im Körperbau kann der Analverkehr jedoch auch mit entsprechender Übung und Vorbereitung für einige Personen auf Dauer schmerzhaft sein; in diesem Fall sollten andere Sexualpraktiken vorgezogen werden.

Sexuell übertragbare Krankheiten

Wie auch bei anderen Sexualpraktiken besteht bei ungeschütztem Verkehr das Risiko, sich mit einer sexuell übertragbaren Erkrankung anzustecken, insbesondere mit HIV, Hepatitis B oder Hepatitis C. Beim Verkehr mit Personen mit unklarem HIV-Status sollte deshalb ein Kondom verwendet werden; eine erhöhte Sicherheit können spezielle, extra-stabile Präservative bieten, die eine höhere Elastizität und eine dickere Wandstärke aufweisen. Die Verwendung von Gleitmitteln reduziert das prinzipielle Verletzungsrisiko erheblich. Das Humanen Papillomvirus (HPV) steht im Verdacht, eine der Ursache des Analkarzinoms zu sein. Hierbei gilt Analverkehr ohne Kondome als risikobehafteter, da die Gefahr von Mikroverletztungen höher eingestuft wird als bei anderen Sexualpraktiken.

Dadurch kann eine sekundäre Proktitis (Entzündung des Mastdarms) verursacht werden. Durch Analverkehr bedingte Analfissuren sind ein relevantes Risiko. Häufig wird behauptet, dass Analverkehr zu einem Ausleiern des Schließmuskels führen kann. Bezüglich des Ruhetonus, der Grundspannung des Analkanals, wurde nach einer Studie eine Herabminderung der Spannung verzeichnet. Einige Mediziner vermuten, dass die Herabsetzung des Ruhetonus bei den an der Studie teilnehmenden Probanden durch ein bewusstes Erlernen der Entspannung des Schließmuskels bedingt ist.

Eine neue Studie der Universität von Alabama hat Belege für einen Zusammenhang zwischen Analsex und Stuhlinkontinenz gefunden. Einige Mediziner vermuten, dass Analverkehr zu einer Erhöhung des Risikos für einen Rektumprolaps beitragen kann. Studien hierzu gibt es ebenfalls nicht.

Soziokulturelle Aspekte

Einstellungen zum Analverkehr

Gegenüber dem Analverkehr herrschen zum Teil Vorbehalte, so wird er etwa als unhygienisch oder schmerzhaft betrachtet, mitunter auch aus religiösen Gründen abgelehnt. Sowohl im Christentum als auch im Islam wurde Analverkehr traditionell als sündhaft und verwerflich angesehen, wenn auch diese Position heutzutage zum Teil liberaler gesehen wird. Laut islamischem Recht gilt Analverkehr jedoch immer noch als absolut verboten (haram) und ist ein Grund für eine Scheidung von Seiten der Frau, wenn der Ehemann diese Praxis von ihr verlangt.

Oftmals besteht ein prinzipielles Interesse am Analverkehr, wird jedoch aus Angst vor Desinteresse oder Ablehnung gegenüber Partner oder Partnerin nicht angesprochen und umgesetzt. Bei Männern herrscht oft die unbegründete Befürchtung vor, Frauen würden dem Analverkehr prinzipiell ablehnend begegnen oder nur dem Partner zuliebe praktizieren.

Die Initiative zum Analverkehr geht jedoch immer öfter auch von Frauen aus. Passiver Analverkehr ist eine Frage der persönlichen Präferenz, jedoch empfinden viele ihn als sehr lustvoll. Von einigen Frauen wird der Analverkehr auch dem Vaginalverkehr gegenüber bevorzugt:

Die Einstellungen zum Analverkehr scheinen sich zwischen den Geschlechtern anzugleichen: Bei früheren Studien zeigte sich häufig eine stärker positive Einstellung bei Männern. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Frauen Analverkehr in ähnlichem Ausmaß wünschen und nachfragen. Von beiden Geschlechtern wird Analverkehr zunehmend als bereichernde Erweiterung ihres Sexualverhaltens angesehen. Die US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow äußerte auf ihrem Blog unter der Überschrift „Wir alle tun's“ dazu:

Auch wenn der öffentliche Umgang mit dem Thema teilweise durch Tabus besetzt ist, wird der Analverkehr doch von vielen Menschen praktiziert. Die qualitative Sozialforschung beschreibt in der Kommunikation über Analverkehr dahingehend Geschlechtsunterschiede, dass Männer offener mit dem Thema umgehen, während Frauen das Thema eher tabuisieren und im Gespräch untereinander vermeiden.

In einer Studie zeigte sich, dass vor allem Frauen mit höherer Bildung und einem besseren Einkommen dazu tendierten, Analsex zu probieren.

Verbreitung in der Bevölkerung

Analverkehr wird insbesondere unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit der Jahrtausendwende zunehmend beliebter, – der „Analsex wird vom Tabu zum Megatrend“.

Unklar ist jedoch, ob heutzutage tatsächlich mehr Analverkehr praktiziert wird oder lediglich die Bereitschaft gestiegen ist, dies auch in Umfragen anzugeben. Nicht zuletzt die zunehmende Offenheit und Präsenz sexueller Themen in den Medien (in Medien pornographischen Inhalts beispielsweise ist der Analverkehr eine regelmäßig dargestellte Praktik) deuten auf eine Enttabuisierung hin, welche die Auskunftsbereitschaft zu dem Thema erhöht.

Für eine reale Zunahme des Analverkehrs würde die Tatsache sprechen, dass die Verfügbarkeit von Informationen über das Internet ein wachsendes Interesse hervorruft, indem Neugierde auf neue Sexualpraktiken geweckt wird. Debby Herbenick, Sexualwissenschaftlerin und Autorin einer 2010 durchgeführten, umfangreichen Studie zum Sexualverhalten, meinte hierzu:

Erfahrungen mit Analverkehr

So berichtet das US-amerikanische Centers for Disease Control and Prevention in einer Studie aus dem Jahr 2006 von einer anhaltenden Zunahme in den letzten Jahren. In einer US-amerikanischen Studie erklärten 16 Prozent der heterosexuellen Jugendlichen, schon mindestens einmal Analverkehr gehabt zu haben. In einer 2010 in den USA durchgeführten Studie hatten in der Altersgruppe 18–19 Jahre 20 % der weiblichen Befragten, in der Altersgruppe der 20–24-jährigen 40 % Erfahrungen mit Analverkehr. Dies stellt eine Verdoppelung gegenüber der letzten vergleichbaren Umfrage im Jahr 1992 dar.

Eine Studie aus dem Jahr 2008, durchgeführt von Forschern der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung und der City University, ergab, dass 49,1 % der Deutschen, unabhängig vom Geschlecht, bereits Erfahrungen mit Analsex gemacht haben.

Die deutsche Zeitschrift Neon befragte junge Erwachsene im Alter von 20 bis 35 Jahren, mit dem Ergebnis, dass 47 % der Männer und 57 % der Frauen angaben, bereits Analverkehr praktiziert zu haben.

Eine Studie in Österreich im Jahr 2006 unter Jugendlichen ergab je nach Region unterschiedliche Anteile: In Wien gaben 52 % der Befragten an, Erfahrungen mit Analverkehr gemacht zu haben, im Burgenland waren es lediglich 37 %. Mitunter liegt der Anteil bei Frauen sogar höher als bei Männern: In Deutschland gaben 2007 in einer Umfrage 23 % der Männer und 17 % der Frauen an, schon einmal Analverkehr praktiziert zu haben. Eine 2016 unter heterosexuellen Jugendlichen (15-19 Jahre) in den USA durchgeführte Studie ergab, dass 19% bereits Erfahrung mit Analverkehr hatten, bei 12-Jährigen hatten bereits 6,5% Analverkehr praktiziert.

Regelmäßige Umsetzung

Darüber hinaus zeigt sich, dass sich der Analverkehr auch unter Heterosexuellen inzwischen als normale sexuelle Spielart etabliert hat. Der Anteil der Befragten, die nicht nur über Erfahrungen mit Analverkehr berichten, sondern diesen regelmäßig praktizieren, fällt im Vergleich zu früheren Studien hoch aus. Der prozentuale Anteil der Paare, die Analverkehr regelmäßig ausüben, liegt laut einer Studie aus dem Jahr 2016 bei Erwachsenen zwischen 30-40%, 15% der heterosexuellen Jugendlichen (15-19 Jahre) praktizieren diesen regelmäßig.

Analverkehr in Kunst und Kultur

  • In der Philosophie im Boudoir von de Sade lassen sich die Protagonisten über viele Seiten hinweg über das Thema aus.
  • Analspielzeug, anale Dehnung und Unterwerfung durch Analverkehr spielen bei Geschichte der O von Pauline Reage eine wesentliche Rolle.
  • Im Film Der letzte Tango in Paris aus dem Jahr 1972 kommt es zum Analverkehr zwischen Marlon Brando und Maria Schneider. Dies war die erste explizite Darstellung in einer großen Hollywood-Produktion und sorgte in vielen Ländern für einen Skandal.
  • Zwei der bekanntesten Darstellungen von Analverkehr in der modernen Kunst sind Jeff Koons Bilder Red Butt (Distance) und Red Butt (Close Up) aus dem Jahr 1991, die den Künstler beim Analverkehr mit seiner Ehefrau Ilona Staller zeigen.
  • Die Autorin Tristan Taormino erzielte einen großen Erfolg mit ihrem Buch Ultimate Guide to Anal Sex for Women. Sie gibt darin Tipps und versucht, gängigen Vorbehalten entgegenzutreten. Das Buch war ein Überraschungserfolg und fand große mediale Beachtung.
  • Der Rapper Sido provozierte 2002 mit seinem Arschficksong, in welchem er in drastischer Sprache Analverkehr beschreibt. Das Lied wurde der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien vorgelegt, konnte jedoch wegen einer vorhergehenden FSK-16-Freigabe nicht mehr indiziert werden.

Analverkehr und sexuelle Orientierung

Analsex ist bei gleich- wie bei gegengeschlechtlichem Sex Bestandteil des Repertoires. Analverkehr wird sowohl von homo- als auch heterosexuellen Personen prozentual gesehen im gleichen Ausmaß praktiziert. Die Ansicht, Analverkehr werde hauptsächlich zwischen homosexuellen Männern praktiziert, ist daher falsch.

Dennoch wird dieses Vorurteil oftmals bedient. In einigen Staaten existieren sogar strafrechtliche Sanktionierungen, die Analverkehr unter Strafe stellen oder zumindest als unerwünscht deklarieren. Diese Gesetze und Vorschriften dienen in der Praxis meist der Abschreckung und Strafverfolgung homosexueller Männer und finden selten Anwendung bei heterosexuellem Analverkehr.

Länder mit strafrechtlicher Sanktionierung

Im Gegensatz zu Europa und Südamerika (mit Ausnahme von Guyana), wo Analverkehr straffrei ist, sehen viele afrikanische Staaten Strafen für diese Sexualpraktik vor.

England (historisch)
Nach dem Buggery Act stand auf Analverkehr seit 1533 die Todesstrafe. Das Strafmaß wurde 1861 in lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Seit 1967 ist Analverkehr zwischen Männern in England kein Verbrechen mehr, und seit 2003 unterscheidet das englische Strafrecht nicht mehr zwischen Vaginal- und Analverkehr.
Guyana
Der Criminal Law Offences Act bestraft versuchten Analverkehr in Guyana mit zwei Jahren Haft, Analverkehr selbst wird mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet.
Iran
Analverkehr zwischen Männern, die Sex mit Männern haben, ist im Iran mit der Todesstrafe belegt, zwischen Mann und Frau ist er straffrei.
Jamaika
Artikel 76 des Offenses against the Person Act ahndet schwulen Sex in Jamaika nach einem Gesetz aus der britischen Kolonialzeit als „das abscheuliche Verbrechen der Sodomie“ (the abominable crime of buggery) mit bis zu zehn Jahren Gefängnis, verbunden mit schwerer Zwangsarbeit.
Japan
Analverkehr wurde 1873 verboten, dieses Gesetz wurde jedoch im Jahr 1880 wieder zurückgenommen. Homosexualität ist in Japan straffrei, allerdings existieren in einigen Präfekturen Altersbeschränkungen für homosexuelle Partnerschaften.
Kanada
Während das allgemeine Schutzalter für sonstige hetero- und homosexuelle Handlungen 16 Jahre beträgt, ist Analverkehr (hetero- wie homosexuell) nur dann legal, wenn beide Partner mindestens 18 Jahre alt sind.
Kirgisistan (historisch)
In Kirgisistan konnte der Analverkehr bis 2002 mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Verurteilungen nach diesem Gesetz waren selten.
Saudi-Arabien
In Saudi-Arabien ist Analverkehr zwischen Mann und Frau verboten und kann mit Gefängnis, Geldstrafen und für den Mann mit Peitschenhieben geahndet werden. Auf Analverkehr zwischen Männern steht die Todesstrafe.
Singapur und Indonesien
In Singapur war Analverkehr ebenso wie Oralverkehr verboten. Darauf konnten bis zu zehn Jahre Haftstrafe stehen oder ein Bußgeld in der Höhe von umgerechnet 10.000 Euro. Mittlerweile wurden diese Praktiken allerdings für heterosexuelle Paare legalisiert.
Im Nachbarland Indonesien sind diese Praktiken noch immer verboten, aber auch hier sind Verurteilungen in der Praxis selten.
USA (historisch)
In den US-Bundesstaaten Arkansas, Kansas, Missouri, Oklahoma und Texas bestand bis 2003 ein generelles gesetzliches Verbot der Ausübung von Analverkehr.
In zwölf weiteren Bundesstaaten war Analverkehr zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern verboten. Allerdings waren Verurteilungen in der Praxis äußerst selten, etwa für Missbrauch von Minderjährigen – was zwar ohnehin nach anderen Gesetzen zu bestrafen wäre, in diesen Fällen aber einer doppelten Bestrafung unterlag. Nach einem Beschluss des obersten Gerichtshofs der USA aus dem Jahr 2003 im Fall Lawrence v. Texas sind solche Rechtsbestimmungen nichtig. (→Chronologie der Sodomiegesetze in den Vereinigten Staaten)

Literatur

  • Alexa Adore: Ratgeber Analsex: Tipps und Tricks für sicheren Analverkehr und genussvolle Anal-Erotik. Flexible Literature, 2007, ISBN 978-3-937825-65-6.
  • Toni Bentley: The surrender. An erotic memoir. Regan Books, New York 2004, ISBN 0-06-073247-4.
  • Jack Morin: Anal pleasure & health. A guide for men and women. Down There Press, San Francisco 1997, ISBN 0-940208-20-2.
  • Tristan Taormino: Ultimate Guide to Anal Sex for Women. Cleis Press, San Francisco 1997, ISBN 1-57344-028-0.
  • Tristan Taormino: The Anal Sex Position Guide. Quiver Book, Beverly 2009, ISBN 978-1-59233-356-1.

Weblinks

Artikel über die gesellschaftliche Verbreitung:

  • „Die neue POpulär-Kultur“ – Süddeutsche Zeitung
  • „The Bottom Line“ – New York Magazine (englisch)

Vorbereitung auf den Analverkehr:

  • Analverkehr: Wer klopft ans Hintertürchen? – Fem
  • Das erste Mal Analsex: Tipps für Anfänger – Freundin
  • Analverkehr – Die besten Stellungen – Fem

Schmerzvermeidung:

  • Analverkehr ist nicht immer schmerzhaft für die Frau – Markt
  • Tipps für den Analverkehr – So vermeiden Sie Schmerzen – Fem

Einzelnachweise