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Begriff 'Cyber-Grooming'

Quelle : https://de.wikipedia.org/wiki/Cyber-Grooming

Cyber-Grooming

Mit dem Begriff Cyber-Grooming (im deutschen Sprachgebrauch sinngemäß Internet-Anbahnung) wird das gezielte Einwirken auf Personen im Internet mit dem Ziel der Anbahnung sexueller Kontakte bezeichnet. Es kann sich demnach auch um eine besondere Form der sexuellen Belästigung im Internet handeln. Meist findet jedoch die Kontaktaufnahme mit der konkreten Absicht statt, sexuellen Missbrauch online (Chat, Fotos, Videos, Sexting, Erpressung z. B. von pornografischen Videoaufnahmen) oder offline bei realen Treffen anzubahnen. Während sich der Begriff im Englischen sowohl auf Voll- als auch auf Minderjährige Opfer beziehen kann, hat er sich im Deutschen als auf minderjährige (Kinder und Jugendliche) Opfer bezogen eingebürgert.

Es wird zunächst argloses Vertrauen aufgebaut, um dann Straftaten wie etwa die Anfertigung kinderpornografischer Aufnahmen oder sexuellen Missbrauch an ihnen zu verüben. Das englische Wort Grooming (striegeln, zurechtmachen, vorbereiten‘) bezieht sich hierbei darauf, dass den potentiellen Opfern durch einige Täter zunächst geschmeichelt wird und/oder Geschenke gemacht werden, um Vertrauen zu erlangen. Wie auch bei der Verbreitung und den Besitz von kinderpornografischen Schriften, treten bei Cyber-Grooming vermehrt minderjährige Tatverdächtige in Erscheinung.

Rechtslage

Deutschland

In Deutschland ist Cyber-Grooming seit dem 1. April 2004 bei unter 14-jährigen Personen verboten. Dafür wurde der damals neue § 176 Absatz 4 Nr. 3 (Strafgesetzbuch (StGB)) geschaffen:

Als Reaktion auf die Edathy-Affäre trat mit dem 49. Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches am 26. Januar 2015 (BGBl. I S. 10) eine Verschärfung des Sexualstrafrechts ein, dies betraf auch den § 176 StGB. Der Absatz 4 Nr. 3 wurde ausgeweitet und um eine Nr. 4 ergänzt:

Teilweise wird auch der § 176 Abs. 4 Nr. 4 StGB, dass Einwirken auf ein Kind mit pornografischen Medien, als Cyber-Grooming erfasst, wenn dies über das Tatmittel Internet und mit sexueller Motivation des Täters erfolgt. Diese Ansicht findet auch Unterstützung darin, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik unter dem Tatschlüssel 131.400 § 176 Abs. 4 Nr. 3 und 4 StGB zusammen erfasst, von 2009 bis 2018 900 bis 2400 Verdachtsfälle pro Jahr mit 600 bis 1.600 Tatverdächtigen pro Jahr.

Auch wenn Cyber-Grooming in den Medien teilweise als „Schutzlücke“ diskutiert wird, gibt es diese rechtliche Handhabe. Unstreitig ist allerdings, dass die Vollendung des Tatbestandes oft nur schwer nachzuweisen ist. Daher kam es zu einer weiteren Gesetzeserweiterung:

Die Einführung einer solchen Versuchsstrafbarkeit wurde vor allem vor dem Hintergrund einer weiten Vorverlagerung der Strafbarkeit und der fehlenden Rechtsgutsverletzung kritisiert.

Der Straftatbestand kann auch bei Personen, die sich schon kennen und bereits regelmäßig treffen, erfüllt werden, und auch wenn die digitale Kommunikation nur scheinbar mit dem Kind, faktisch mit dessen Eltern erfolgt.

Österreich

In Österreich war der bloße Akt des Groomings bis 2012 nicht strafbar. Dies änderte sich mit der Strafgesetznovelle 2011, die am 1. Januar 2012 in Kraft trat und die „Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen“ (Personen unter 14 Jahren) verbietet.

Der neu geschaffene § 208a StGB lautet:

EU-Richtlinie

In der am 17. Dezember 2011 in Kraft getretenen EU-Richtlinie 2011/93/EU ist vorgesehen, in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auch den Versuch der „Kontaktaufnahme zu Kindern für sexuelle Zwecke“ (auch im realen Raum) unter Strafe zu stellen. Während Österreich diesen Teil der Richtlinie bereits 2012 umgesetzt hat, kam Deutschland dem erst 2015 nach. Beide Länder haben den Versuch nicht unter Strafe gestellt, obwohl dies in der EU-Richtlinie gefordert wird.

Siehe auch

  • Cybersex, Sammelbegriff für verschiedene Formen der virtuellen Erotik, sexueller Interaktion und Pornografie
  • Stalking, beharrliches Verfolgen oder Belästigen einer Person

Weblinks

  • Sexualität & Internet. saferinternet.at; mit Fragen und Antworten über Cyber-Grooming (o. D., abgerufen 9. Februar 2018)
  • Projekt der AE Bromme, Universität Münster: Surf-Fair gegen Cybermobbing. (o. D., abgerufen 9. Februar 2018)
  • Tatort Online-Spiel: Die perfiden Tricks der Pädophilen. (Video) planetopia.de, 11. März 2013 (abgerufen 9. Februar 2018)
  • Eltern müssen sich in den digitalen Raum selbstständig einarbeiten. (Interview mit dem Kriminologen Thomas-Gabriel Rüdiger) ARD 2016 (abgerufen 9. Februar 2018)
  • Risiken Sozialer Medien (RiSoMe) in drei Minuten kurzgefasst! – Cybergrooming in Onlinegames. (Video) Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg 31. Juli 2017 (abgerufen 9. Februar 2018)

Einzelnachweise