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Begriff 'Unterwäsche'

Quelle : https://de.wikipedia.org/wiki/Unterwäsche

Unterwäsche

Unterwäsche oder Unterkleidung (früher auch Lingerie, [lɛ̃ʒ(ə)riː] oder Weißware) bezeichnet Kleidungsstücke, die unter den anderen Kleidungsstücken (Unter-Wäsche) direkt auf der Haut getragen werden und wegen des direkten Körperkontakts regelmäßig gewaschen werden müssen (Unter-Wäsche). Der Ausdruck Lingerie wird vor allem in der Schweiz auch für die Wäscherei (französisch blanchisserie oder buanderie ‚Waschküche‘) gebraucht.

Arten

Die häufigsten Arten von Unterwäsche werden in der folgenden Tabelle erklärt.

Material

Unterwäsche ist in der Regel aus bequemen und hautfreundlichen Materialien wie Baumwoll-Feinripp oder Seide hergestellt. Daneben sind in den vergangenen Jahrzehnten Kunstfasern (Polyamid, Polyester, Nylon), insbesondere im Bereich von Reizwäsche, Unterkleidern/-röcke, Damenunterhosen und Büstenhaltern, verwendet worden. Jedoch wird bei Damenunterhosen oft ein Zwickel aus Baumwolle eingesetzt, der den Scheideneingang, aber nicht unbedingt die Schamspalte bedeckt. Bei Herrenunterhosen ist das eher selten der Fall, der Baumwolleinsatz bedeckt dann aber den ganzen vorderen Intimbereich. Wie aus der Geschichte zu ersehen ist, ist es nicht unbedingt Zweck der Unterwäsche, Geschlechtsmerkmale vollkommen zu verbergen. Seit jüngerer Zeit werden vermehrt synthetisch hergestellte Materialien als Mikrofaser verwendet. Diese Stoffe mit bis zu 8.000 Filamente (Fasern) pro Quadratzentimeter (feiner als Seide) haben einen extrem niedrigen Querschnitt, sind hochelastisch, atmungsaktiv, feuchtigkeitsabweisend und dennoch formstabil. Unterwäsche oder auch Bekleidung allgemein aus Gestricken oder Gewirken wird auch Trikotage genannt.

Mode

Im Allgemeinen gilt es als ungehörig, keine Unterwäsche (besonders keine Unterhose) zu tragen. Anlass für große Diskussionen in der Presse gab etwa Sarah Connor, als sie in einer Sendung von Wetten, dass..? scheinbar keine Unterhose unter ihrem Kleid trug.

Einige Kleidungsstücke sind jedoch bewusst dafür ausgelegt, ohne beziehungsweise anstelle von Unterwäsche getragen zu werden. Dazu gehören T-Shirts, Sportbekleidungen wie Shorts, Turnhosen oder Radhosen, Laufhosen, Leotards, Badekleidung und manche Anfertigungen von Bühnenkostümen. In selten Fällen können hier transparente Einsätze, zum Beispiel über die ganzen Seiten des Torso, eingearbeitet sein. Auch zu Nachtwäsche wie Nachthemden oder Pyjamas wird oft keine Unterhose getragen. Unter einem Kilt wird traditionellerweise keine Unterwäsche getragen.

Geschichte

Aus altrömischer Zeit sind Abbildungen bikiniähnlicher Kleidungsstücke für Frauen dokumentiert, von denen aber nicht sicher ist, ob sie auch unter der normalen Oberkleidung getragen wurden. Für das Mittelalter ist eine Art Unterhosen für Männer überliefert, die den heutigen Unterhosen ähnlich sahen, aber auch hier ist nicht sicher, ob sie so im Alltag getragen wurden. Erst aus der frühen Neuzeit sind Teile von Unterwäsche sicher belegt, nämlich Hemden für Frauen wie für Männer.

Im 18. Jahrhundert trugen Frauen nur Hemden, Strümpfe und Unterröcke (bzw. Unterkleider) als Unterwäsche. Korsetts waren zwar Unterkleidung, aber nicht „Wäsche“, da sie nicht gewaschen werden konnten. Männer pflegten zur gleichen Zeit ihre langen Hemden zwischen den Beinen hindurchzuziehen, so dass sie auch die Stelle der Unterhose vertraten. Ab dem späten 18. Jahrhundert sind spezielle Männerunterhosen belegt. Frauen trugen im Allgemeinen erst ab dem frühen 19. Jahrhundert Unterhosen. Diese waren wegen der umständlichen Reifröcke bis um 1900 im Schritt offen. Erst mit der Reformbewegung setzten sich geschlossene Unterhosen für Frauen durch.

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickeln sich jene Formen der Unterwäsche, die wir heute kennen. Im Verlauf des Jahrhunderts entwickeln sich Teile der Unterwäsche zu Oberbekleidung fort (allen voran das T-Shirt, das ursprünglich ein Männerunterhemd war) oder werden zumindest teilweise vorzeigbar.

Unterwäsche wurde bis ins 19. Jahrhundert fast ausschließlich aus weißem Leinen gefertigt und „Weißware“ genannt: Leinen war relativ billig und im Gegensatz zu Wolle gut waschbar. Baumwolle wurde erst im frühen 19. Jahrhundert allgemein erschwinglich. Weiß wurde aus mehreren Gründen gewählt:

  • Leinen muss (u. a. von Personal) aufwendig gebleicht werden, bis es weiß ist. Daher ist weißer Stoff ein Statussymbol.
  • Weißer Stoff bleibt nicht lange weiß. Genug Wäsche zu besitzen, um sie wechseln zu können, bevor sie verschmutzt, ist ein Statussymbol.
  • Nur ungefärbter Stoff konnte mit allen chemischen (z. B. Chlorlauge) und mechanischen (Rubbeln) Mitteln behandelt werden, die nötig waren, um Flecken vollständig zu entfernen. Gefärbter Stoff würde solcher Behandlung nicht standhalten.

Diese Vorliebe für Weiß hat sich bis heute gehalten. Bis ins 20. Jahrhundert wurden (Unter-)Wäschegeschäfte deshalb „Weißwarengeschäfte“ genannt.

Literatur

  • Torkild Hinrichsen (Hrsg.): Leibhaftig – Doppelripp und Spitzentraum. Zur Kulturgeschichte der Unterwäsche. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2011, ISBN 978-3-89876-571-8.
  • Almut Junker, Eva Stille: Die zweite Haut – zur Geschichte der Unterwäsche 1700–1960. Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt, 28. April bis 28. August 1988. Historisches Museum, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-89282-010-4.
  • Klaus H. Carl. Parkstone (Redaktion der deutschen Ausgabe): Die Geschichte der Unterwäsche. New York; NY 2010, ISBN 978-1-84484-802-7.
    • Band 1: Shaun Cole: Die Geschichte der Herrenunterwäsche.
    • Band 2: Muriel Barbier, Shazia Boucher: Die Geschichte der Damenunterwäsche.
  • Christel Dietz: Studie über den Einfluß unterschiedlicher Unterwäsche auf die trockene Wärmeabgabe der Haut unter Zimmertemperaturbedingungen Leipzig, 1969 (Dissertation Universität Leipzig, Medizinische Fakultät, 22. September 1969, 138 Seiten).

Weblinks

  • Als der Slip noch Gottes Ordnung störte

Einzelnachweise